Studentenprojekt in Detmold: Vernetztes Entwerfen Mit Marionette-Scripts zum idealen Sonnenschutz

Im Sommersemester 2017 entwickelten Studenten der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur in einem spannenden Projekt Sonnenschutzmöglichkeiten für eine Gebäudefassade. Mithilfe des Scripting-Tools Marionette in Vectorworks sind fünf kreative Entwürfe entstanden.

Parametrischer Sonnenschutz

Im Wahlpflichtfach „Vernetztes Entwerfen“ erhielten die Studenten die Aufgabe, verschiedene Sonnenschutzvarianten für die „Shared Towers“ zu entwickeln mit dem Ziel, der Gebäudehülle eine neue gestalterische Wirkung zu verleihen. Vectorworks und das grafische Scripting-Tool Marionette waren dabei die zentralen Hilfsmittel.

Das Modul wurde von Markus Graf, Dipl.-Ing. Architekt und wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Hans Sachs an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, geleitet. Zusammen mit den Tutoren Pascal Völz und Marius Hagen leistete er Hilfestellung beim Scripten. Die Studenten bekamen jeweils zwei Etagen eines Towers zugewiesen und sollten diese gestalterisch und „parametrisch“ ergänzen bzw. verändern.

Bemerkenswerte Ergebnisse dank Marionette

„Die Studenten kamen mit dem Marionette-Tool erstaunlich gut zurecht. Ich denke, das sieht man auch an den super Ergebnissen“, sagt Markus Graf.

Projekt 1 von Nico Günnewich

Durch die Verwendung von Schaltglas, welches in kleine, einzeln ansteuerbare Raster unterteilt ist, kann die Lichtdurchlässigkeit mithilfe von Strom gesteuert werden. Steht das Glas unter Strom, ist es durchsichtig; wird der Stromkreis unterbrochen, verfärbt es sich milchig. Jedes einzelne Panel schaltet sich, dem Sonnenstand entsprechend, selbstständig. Somit ist immer für eine optimale Verschattung gesorgt.

Die Idee von Nico Günnewich hat es Markus Graf ganz besonders angetan:

„Sein Script umfasst rund 500 Nodes und der Entwurf kann 1:1 umgesetzt werden. Die Einteilung der Glasfläche in kleine Panels, die über Raster angesteuert werden, ist eine echte Neuheit.“

Um sein Marionette-Script übersichtlicher zu gestalten, hat Nico Günnewich eigene Nodes geschrieben

Projekt 2 von Kea Stockbrügger

An der Gebäudefassade sind kleine Panels angebracht. Um die Sonneneinstrahlung zu regulieren, können sie geöffnet oder geschlossen werden.

Markus Graf sagt zu diesem Projekt:

„Dieses Script konnte mit geringstem Aufwand erstellt werden und ist damit ein typisches Beispiel für sinnvollen und einfachen Marionette Einsatz. Ohne Marionette hätte man in umfangreicher Kleinarbeit jedes Panel in einem anderen Winkel platzieren müssen, um die gewünschte zufällige wellenförmige Darstellung zu simulieren - eine gigantische Fleißarbeit.“

Projekt 3 von Michael Niemann und Maximilian Pytlik

Hier wird der Lichteinfluss durch spezielle Klappläden gesteuert. Je nach Sonnenstand drehen sich die einzelnen geschwungenen Klapp-Module, um optimalen Schutz vor der Sonne zu bieten.

Das Marionette Script von Michael Niemann und Maximilian Pytlik

Projekt 4 von Jan Philipp Wotschke

Quadratische Panels können sich, ähnlich einer Blüte, öffnen und wieder schließen. Die einzelnen Quadrate können individuell gesteuert werden und sich somit an verschiedene Einstrahlungswinkel anpassen.

Projekt 5 von Philipp Hengstenberg

An jedem Fenster sind zwei dreieckige Rollsegeltücher angebracht. Mithilfe einer motorbetriebenen Kette kann der Öffnungszustand der Segel reguliert werden, wodurch ein individuelles Muster auf der Gebäudefassade entsteht.

„Auch das Projekt von Philipp Hengstenberg ist eine sehr gut realisierbare Lösung. Das Segel funktioniert wie eine Rollfock im Jachtbau“, erklärt Projektleiter Markus Graf.

New Babylon - Shared Towers

Die „Shared Towers“ entstanden 2016 im Rahmen eines Semesterprojekts, das ebenfalls im
Lehrgebiet CAD in Detmold realisiert wurde. 240 Studierende entwarfen in Teamarbeit 16 Hochhäuser mit der Funktion Projekt Sharing in Vectorworks.

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