Der folgende Beitrag stellt die vier wichtigsten Unterschiede zwischen Revit und Vectorworks Architektur in den Bereichen 2D-Zeichnen, 3D-Modellierung, Rendering und Datenverwaltung heraus. Er vermittelt einen Überblick über die verschiedenen Arbeitsmethoden der beiden Lösungen, wie sie insbesondere in BIM-Prozessen zum Tragen kommen.
2D-Zeichnungsworkflow
Revit bietet Werkzeuge für die 2D-Dokumentation und Detaildarstellung. Damit lassen sich Grundrisse, Ansichten, Schnitte und weitere Planinhalte erzeugen. 2D-Darstellungen können aus dem BIM-Modell generiert werden. Eine Klassenstruktur parallel zu Ebenen bzw. Layern gibt es nicht. Die gezielte Anpassung kleinräumiger Geometrien kann in bestimmten Fällen zusätzlichen Aufwand erzeugen.
In Vectorworks steht eine breite Palette von CAD-Zeichenwerkzeugen in einer einheitlichen Arbeitsumgebung zur Verfügung. Die Klassenstruktur in Vectorworks ermöglicht eine weitere, von Ebenen unabhängige Organisation von Geometrien, Darstellungsarten und Beschriftungen. Das erlaubt eine flexible und individuelle Gestaltung von Bauplänen, beispielsweise zur Einhaltung individueller Standards und Gepflogenheiten des jeweiligen Büros. Anwender:innen anderer Systeme sind für solche Nachbearbeitungen von Plänen oft auf zusätzliche Zeichnungsprogramme angewiesen wie beispielsweise Illustrator.

3D-Modellierungsprozesse
Revit ist auf parametrisches Gebäudedesign ausgerichtet. Bauteile sind in standardisierten sogenannten Families organisiert. Für unkonventionelle polygonale, organische oder konstruktiv freie Formen sind zusätzliche Modellierungsschritte oder externe Werkzeuge verbreitet. Eine Anpassung der Bauteil-Familien erfordert oftmals vertiefte System-Kenntnisse aufgrund ihres komplexen inneren Aufbaus.
Vectorworks unterstützt zwar ebenfalls parametrische Bauelemente, kombiniert diese jedoch mit weiteren Modelliertechnologien. Dazu gehören unter anderem eine intuitive Push-Pull-Modellierung sowie fortschrittliche NURBS und Subdivision-Werkzeuge. Diese Kombination standardisierter und individueller Vorgehensweisen erlaubt es, auch Bauteile mit komplexen Sonderformen zu modellieren, in Bibliotheken abzulegen und in anderen Projekten wiederverwenden. Entwurf, Variantenentwicklung und spätere Weiterverwendung finden in einem einzigen Arbeitsraum statt.

Rendering
Revit verfügt über integrierte Rendering-Funktionen, die für verschiedene Anwendungsfälle geeignet sind. Vereinzelt greifen Anwenderinnen und Anwender für gehobenere fotorealistische Darstellungen auf integrierbare spezialisierte Renderingsoftware zurück wie Arnold, Enscape oder V-Ray, die zusätzliche Möglichkeiten bieten und teils gesonderte Lizenzmodelle mit Gebühren beinhalten.
In Vectorworks Architektur sind mehrere Renderverfahren direkt in die Software integriert. Es handelt sich dabei um eine voll integrierte Echtzeit-Shaded-Darstellung, Raytracing auf der Basis von CineRender von Maxon sowie das GPU-unterstützte Redshift. Diese Verfahren bieten fotorealistische Visualisierungen in ausgezeichneter Qualität und sind ohne zusätzliche Module verfügbar. Darüber hinaus lassen sich weitere Visualisierungstools wie Enscape, Lumion oder Twinmotion in die Software einbinden. Der Schritt vom Modell zur Visualisierung erfolgt dank einer durchgängigen Integration ohne zwischengeschaltete Programme.

Datenmanagement
Revit bietet parametrische Bauteildaten und projektweite Informationen. Die Einrichtung individueller Datenschemata hängt jedoch stark vom jeweiligen Projektablauf und der internen Family-Struktur ab.
Vectorworks verwendet dynamische Datensätze. Sie werden ohne strukturelle Systemanpassungen erstellt und werden je nach Situation angepasst. Das erleichtert die projektspezifische Strukturierung und Verwaltung von Informationen. Daten werden in Zeichnungen, Berichten, Tabellen oder grafischen Darstellungen konsistent genutzt.
So ist es in Vectorworks einfach möglich, enthaltene Daten in einem Modell über unterschiedliche aufrufbare Darstellungen grafisch darzustellen. Diese sogenannten Datenvisualisierungen lassen sich flexibel den jeweiligen Anforderungen eines Projekts anpassen. Die gleichen Daten werden auch zur Erstellung von Berichten, Tabellen, Mengenermittlungen, Auswertungen und Analysen genutzt, die fundierte datenbasierte Entscheidungen ermöglichen und zur Organisation und Qualitätssicherung des Projekts beitragen.
Zusammenfassung Funktionsvergleich