Mit Marionette zum eigenen Feature

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23.02.2026

Philipp Nürnberger, Projektleiter bei Leyendecker, plant seit 2011 mit Vectorworks und betreut im Unternehmen Installationen, Bibliotheken und Workflows. In seinem INSIDE VECTORWORKS-Vortrag Marionette: Kleine Helfer für wiederkehrende Anforderungen zeigt er, wie sich mit Marionette in Vectorworks eigene Funktionen bauen lassen, um wiederkehrende Aufgaben, z.B. in der Lichtplanung zu automatisieren. Ziel ist, Angst vor komplexen Funktionen zu nehmen und zu zeigen, wie aus Anwender:innen aktive „Workflow-Designer:innen“ werden.


Wenn Komplexität zur Chance wird

Viele junge Operator:innen schrecken vor Funktionen zurück, die „zu komplex“ wirken, obwohl sie dokumentiert sind. Im hektischen Alltag fehlt oft die Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten, sodass Potenziale ungenutzt bleiben. Nürnberger zieht den Vergleich zu modernen Lichtpulten: Sie wirken zunächst nicht intuitiv, eröffnen aber enorme Freiheiten, sobald man sie an die eigene Arbeitsweise anpasst – genau diesen Zugang empfiehlt er auch für Vectorworks und Marionette.


Vectorworks, Plugins und Marionette

Vectorworks ist eine leistungsfähige CAD-Software. Wer Grundlagen wie Bibliotheken, Symbolen, Klassen, Ebenen und Layouts versteht und beherrscht, erkennt schnell, wie viele Schritte sich automatisieren lassen. Neben Plugins von Drittanbietern, die etwa Scheinwerfer nach bestimmten Attributen filtern, bietet Vectorworks mit Marionette ein grafisches Werkzeug auf Python-Basis, um eigene Funktionen als Node-Netzwerke umzusetzen – ähnlich wie Makros.


Praxisbeispiel: Laufmeter automatisch berechnen

Im Vortrag stellt Nürnberger ein Marionette-Tool namens „Laufmeter Update“ vor. Ausgangspunkt ist ein typischer Alltagseinsatz: lange Traversenstrecken, viele und unterschiedliche Scheinwerfer mit ihren Attributen und keine Lust und Zeit, jeden einzelnen zu bemaßen. Ergänzend legt er ein Datenfeld „Laufmeter auf Truss“ mit Einheit Meter an und bindet es in die Label Legends oder Datenstempel ein, damit die Laufmeter-Information direkt am Scheinwerfer erscheint.

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Als Referenz dient ein eigens definierter „Traverse Nullpunkt“, modelliert als Scheinwerfer mit eigener Beschriftung, der an die Traverse angedockt wird. Alle weiteren Scheinwerfer docken ebenfalls an die Traverse an und übernehmen Position und Trimmhöhe. Über den Menüaufruf „Extras → Marionette → Laufmeter Update“ berechnet das Netzwerk dann für jeden Scheinwerfer automatisch den Abstand zum Nullpunkt, schreibt ihn ins Datenfeld und ermöglicht anschließend ein einfaches Aktualisieren der Beschriftungen – ohne Maßketten oder manuelles Messen.


Blick in das Marionette-Netzwerk

Das zugrundeliegende Netzwerk arbeitet in klaren Schritten: Input-Nodes definieren die zu bearbeitenden Objekte, Filterdialoge wählen etwa alle Traverse-Nullpunkte und relevanten Scheinwerfer aus. „Get Record Field“-Nodes lesen Datenbankfelder wie Position oder Instrumententyp aus, Listen-Nodes zerlegen und sortieren die Daten. In Wrappern werden diese Funktionen gebündelt, etwa für das Sortieren nach Position oder die eigentliche Distanzberechnung.

Über mathematische Nodes wird die Distanz zwischen Nullpunkt und Scheinwerfern als 2D-Strecke ermittelt und anschließend per „Set Record Field“ in das Laufmeter-Feld geschrieben. Pop-up-Dialoge informieren, wenn etwa mehr Traversen vorhanden sind, als die aktuelle Version des Tools abdecken kann, und geben Hinweise, die Beschriftungen zu aktualisieren. Abschließend kann das gesamte Netzwerk als Wrapper gespeichert, in Vorgabedateien integriert oder zu einem Menübefehl gemacht werden.


Eigene Workflows statt nur auf Features warten

Nürnbergers Ziel ist weniger eine vollständige Marionette-Schulung als eine Einladung: mit kleinen, überschaubaren Netzwerken zu beginnen und konkrete Probleme im eigenen Workflow anzugehen. Wer sich darauf einlässt, kann Prozesse beschleunigen und die Software aktiv mitgestalten. So wird Vectorworks von einem komplexen Werkzeug zu einer Plattform, auf der Anwender:innen ihre eigenen Features entwickeln können.

Austausch mit Philipp Nürnberger

Wer nach dem Vortrag tiefer ins Thema einsteigen oder eigene Fragen zu Marionette, Automatisierung oder Workflow-Design in Vectorworks besprechen möchte, kann sich direkt an den Referenten wenden. Philipp Nürnberger freut sich über den Austausch und ist per E-Mail unter p.nuernberger [at] leyendecker.de erreichbar.

Der Vortrag als Video

Im Rahmen der INSIDE VECTORWORKS 2025 hat Philipp Nürnberger gezeigt, wie sich mit Marionette in Vectorworks eigene Funktionen bauen lassen, um wiederkehrende Aufgaben in der Lichtplanung zu automatisieren. Die Aufzeichnung können Sie sich jetzt anschauen.